homerig
Ausgabe Nr. 001 · Mai 2026
Hardware · Kaufberatung · Lesezeit 8 Min · Aktualisiert 05/26

Green, Pi 5 oder Mini-PC ? Drei Wege, ein Ziel

Home Assistant fertig kaufen oder selbst bauen? Wir vergleichen Home Assistant Green mit Raspberry Pi 5 und Intel-N100-Mini-PC – ehrlich, mit Praxis-Tipps.

HA · GREEN 01
Plug-and-play
RASPBERRY PI 5 02
DIY · 8 GB
MINI-PC · INTEL 03
Future-proof
No. 5/26 · Hardware

Drei Wege, alle gut. Wer Home Assistant 2026 ernsthaft betreiben will, steht zu Beginn vor einer Hardware-Entscheidung – und alle drei sinnvollen Optionen unterscheiden sich erstaunlich klar.

Schnell-Fazit

Home Assistant Green ist der beste Einstieg, wenn du sofort loslegen willst und Bastelei vermeiden möchtest. Der Raspberry Pi 5 ist die klassische DIY-Wahl mit größter Community. Ein Intel-N100-Mini-PC ist die zukunftssichere Variante – mehr CPU/RAM, langlebige NVMe-SSD, Reserven für Add-Ons wie Frigate oder lokale KI.

Home Assistant Yellow lassen wir hier außen vor – aktuell nicht regulär verfügbar.

Vergleich auf einen Blick

Alle drei laufen mit Home Assistant OS. Alle drei brauchen für Zigbee/Thread einen externen USB-Stick (z. B. den Sonoff ZBDongle-E). Was sie unterscheidet, sind Preis-, Performance- und Storage-Klasse.

Hinweis Mini-PC: Konkrete Modelle (Beelink S12 Pro, GMKtec NucBox G3, TRIGKEY G4 etc.) wechseln auf Amazon häufig den Listing-Status. Such nach „Mini-PC Intel N100 16 GB 500 GB” – die Spec-Klasse ist wichtiger als das genaue Modell.

Wann ist Green die richtige Wahl?

Du willst loslegen, nicht basteln. Green kommt vorinstalliert. Strom rein, Netzwerkkabel rein, Browser auf homeassistant.local – fertig in zehn Minuten. Keine SD-Karte flashen, kein OS auswählen, kein Risiko, dass irgendwo ein Detail klemmt.

Du brauchst keine Mega-Performance. Für ein typisches Smart Home mit 50 – 200 Geräten reicht Greens Performance vollständig. Erst wenn du Frigate (Video-Analyse) oder Whisper (lokale Sprach­erkennung) parallel laufen lassen willst, wird es eng.

Geräusche stören dich. Green ist passiv gekühlt – komplett lautlos. Pi 5 und Mini-PC haben Lüfter. Das ist im Wohnzimmer-Setup ein echter Punkt.

Wann lohnt sich der Pi 5?

Du magst die Bastelei. Der Pi 5 ist immer noch der König der DIY-Smart-Home-Szene. Jedes Tutorial, jedes Add-On, jeder GPIO-Workshop nimmt den Pi als Referenz. Wenn du dich später mit ESPHome auf eigenen Boards beschäftigen willst, ist der Pi-Workflow ohnehin Standard.

Du willst maximale Konfigurations-Freiheit. Den Pi 5 gibt es in zwei Welten: als Bare Board für ca. 80 € oder als fertiges Starter-Set für ~230 € mit Netzteil, Gehäuse-Lüfter, 128 GB microSD und HDMI-Kabel. Das Set ist teurer als HA Green; der Aufpreis lohnt sich, wenn du bewusst die Pi-Welt willst – PCIe-Slot für NVMe, GPIO-Pins, riesige Dokumentation.

Bare Pi 5 8GB plus eigener Mix aus Netzteil + Gehäuse + SD + HDMI lässt sich für ca. 130 – 150 € selbst zusammenstellen. Mehr Bastelei beim Einkauf, dafür flexibler in der Komponenten-Auswahl.

Achtung Storage: SD-Karten sind die Schwachstelle. Bei dauerhafter Schreiblast (Logs, Datenbank) sterben sie nach ein bis drei Jahren. Wer Pi 5 mit HA OS plant: ab Tag eins eine NVMe-SSD vorsehen oder regelmäßige Backups einplanen. Die Open Home Foundation hat dazu eine offizielle SSD-Anleitung.

Wann ist der Mini-PC die beste Wahl?

Du planst groß. Wenn du absehbar mehrere Add-Ons parallel laufen lassen willst – Frigate für Kameras, Whisper für lokale Sprach­erkennung, Postgres als zentrale DB, vielleicht später ein lokales LLM via Ollama – hast du mit dem Pi 5 schnell Engpässe. Der Intel N100 mit 16 GB RAM und NVMe-SSD ist eine andere Klasse.

Storage, der nicht verschleißt. Eine 500-GB-NVMe-SSD im Mini-PC hält praktisch ewig im Endkundenbetrieb. Keine SD-Karten-Sorgen, keine eMMC-Limits.

Du willst x86-Software. Add-Ons, die nur als x86-Binary verfügbar sind (manche Industrie-Tools, viele Docker-Images), laufen auf dem Mini-PC sofort, beim Pi nur über zusätzliche Kompatibilitätsschichten oder gar nicht.

Trade-off: Stromverbrauch. Mini-PC zieht im Idle ca. 6 – 10 W, Pi 5 ca. 5 W, Green ca. 3 W. Über ein Jahr 24/7 sind das rund 10 – 15 € Strom-Differenz – vernachlässigbar im Vergleich zur Performance.

Was braucht jede Variante zusätzlich?

Egal welche Hardware: Für Zigbee/Thread brauchst du einen USB-Stick. Standard in der Community ist der Sonoff ZBDongle-E – günstig, robust, mit allen Open-Source-Stacks (ZHA, Zigbee2MQTT) kompatibel.

  • Den Stick nicht direkt einstecken, sondern mit einer 1-m-USB-Verlängerung positionieren – weg von WiFi-Routern, weg vom Mini-PC-Netzteil.
  • Reduziert Funkstörungen drastisch und stabilisiert das gesamte Mesh.
  • Für Matter-over-Thread gibt es inzwischen den Sonoff-Dongle-Lite mit Thread-Support.

Praxis-Tipp aus eigenem Setup

Mein eigenes Home Assistant läuft seit acht Monaten auf einem Beelink S12 Pro (Intel N100, 16 GB RAM, 500 GB NVMe), kombiniert mit einem Sonoff ZBDongle-E am 1-m-USB-Kabel im Treppenhaus. Lüfter höre ich im Wohnzimmer nicht; der Pi-5-Vorgänger lief auch problemlos – ich bin nur wegen Frigate (vier Kameras parallel) auf den Mini-PC gewechselt.

Für Einsteiger ohne Linux-Erfahrung würde ich heute trotzdem Home Assistant Green empfehlen. Plug-and-Play, lautlos, günstiger als das fertige Pi-Komplett-Set – die paar Euro Aufpreis gegenüber einem Pi-Eigenbau sind ersparte Bastel-Stunden.

Kriterium
Spec-Sheet
01 · Plug & Play
Home Assistant Green
~ 170 €
02 · DIY-Klassiker
Raspberry Pi 5 8GB
~ 230 € Kit · ~ 80 € bare
03 · Future-proof
Mini-PC N100
~ 180 – 230 €
CPU
Allwinner H6
4-Kern
BCM2712
Cortex-A76, 4 × 2,4 GHz
Intel N100
4 C / 4 T
RAM
4 GB
8 GB LPDDR4X
16 GB
Storage
32 GB eMMC, integriert
128 GB microSD (im Set)
500 GB NVMe SSD
Setup
10 Min · keine Konfiguration
30 Min · OS flashen, Konfig
20 Min · USB-Stick booten
Geräusch
Lautlos · passiv gekühlt
Aktiv-Lüfter, selten hörbar
Lüfter, im Idle leise
Strom
~ 3 W
~ 5 W
~ 6 – 10 W
Storage-Robustheit
Mittel · eMMC begrenzt
Gering · SD verschleißt
Hoch · NVMe SSD
Der Aufpreis von Green gegenüber einem Pi-Eigenbau sind ersparte Bastel-Stunden – nicht weniger Performance. — Jan Stollenwerk · NRW · Setup seit 8 Monaten

Im Vergleich · Empfohlene Produkte

Affiliate-Links · Provision bei Kauf
Preisstand · 05.05.2026
No. 01 / 03Plug & Play
Home Assistant Green Hardware
Produktfoto
Open Home Foundation

Home Assistant Green (vorinstalliert, sofort startklar)

CPUAllwinner H6 (4-Kern)
RAM4 GB
Storage32 GB eMMC integriert
FunkstandardsKeine onboard – externer Stick erforderlich
169,50 €*
Stand 05.05.26
Amazon
No. 02 / 03DIY-Klassiker
Raspberry Pi 5 8GB Starter Kit mit Gehäuse, Netzteil und SD-Karte
Produktfoto
db-tronic

Raspberry Pi 5 8GB Starter Kit (128 GB SD, Netzteil 27W, Gehäuse mit Lüfter)

CPUBroadcom BCM2712 (Cortex-A76, 4 Kerne, 2,4 GHz)
RAM8 GB LPDDR4X
Storage128 GB microSD (im Set)
FunkstandardsKeine onboard – externer Stick erforderlich (z.B. Sonoff ZBDongle-E)
229,99 €*
Stand 05.05.26
Amazon
No. 03 / 03Future-proof
Sonoff ZBDongle-E USB-Stick
Produktfoto
Sonoff

Sonoff ZBDongle-E (Zigbee 3.0 USB-Stick mit EFR32MG21)

ChipsatzSilicon Labs EFR32MG21
AnschlussUSB-A
FunkZigbee 3.0
Sendeleistung+20 dBm
27,99 €*
Stand 05.05.26
Amazon

Häufige Fragen

Was Leser fragen, bevor sie eine Kaufentscheidung treffen.

01 Kann ich später von Green auf Mini-PC migrieren?
Ja. Home Assistant Backup enthält alle Konfigurationen, Automationen und Daten. Restore auf neuer Hardware dauert ca. 10–15 Minuten. Du verlierst nichts.
02 Welche SD-Karte für den Pi 5?
Hochwertige A2-Karten von SanDisk, Samsung Pro Plus oder Kingston. Im Starter Kit ist das schon dabei. Längerfristig: NVMe-SSD nachrüsten.
03 Brauche ich einen separaten Z-Wave-Stick?
Falls du Z-Wave-Geräte hast: ja, ein separater Stick wie der Aeotec Z-Stick 7 oder Zooz 800. Z-Wave und Zigbee sind verschiedene Protokolle, brauchen jeweils eigene Hardware.
04 Funktioniert der Beelink mit Home Assistant OS direkt?
Ja. HA OS bootet auf jedem x86-System. Mini-PC mit USB-Stick booten, HA OS Installer laufen lassen, fertig. Keine Treiber-Probleme.
05 Lohnt sich Pi 5 16 GB statt 8 GB?
Für Home Assistant alleine nein. Wenn du Frigate, Whisper oder lokale KI plant: lieber gleich Mini-PC.

Jan Stollenwerk

Gründer · homerig.de

Smart-Home-Tüftler aus NRW. Eigenes Home Assistant seit 2024 produktiv. Schreibt über das, was er selbst nutzt — und das, was nach drei Wochen wieder ausgebaut wurde.

8 Mo.
Eigenes HA-Setup
4
Frigate-Cams
50+
Smart-Home-Geräte